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Fanmanagement aktiv bei EC Europa Campus

Sportjournalismus-Studenten des EC Europa Campus beschäftigten sich mit dem Thema Fanmanagement in einem eigenständigen Projekt. Dabei entstand das Fanmagazin Fan&Fun. Ein Beispiel für die sportjournalistische Arbeit ist folgender Beitrag:

Wenn du sensibel bist, gehst du an dem Druck kaputt Fanbeauftragte zwischen den Fronten


Sie hingen in Berlin, in Hamburg, in München und in Bielefeld – schwarze Plakate und Stoffbahnen, auf denen die immer gleichen Worte zu lesen waren: „Wir trauern um Carsten!“ Die vereinsübergreifende Anteilnahme galt dem Fanbeauftragten von Hertha BSC Berlin, Carsten Grab, der sich wenige Tage zuvor vor eine fahrende U-Bahn geworfen hatte.


Fanbeauftragter: Für viele Fußballanhänger ist das bis heute ein Traumberuf mit zahlreichen Vorteilen. Was ein Fan in seiner Freizeit unternimmt, das macht der Fanbeauftragte beruflich. Er ist ständiger Begleiter seiner Mannschaft, trifft sich mit Gleichgesinnten und „muss“ ab und zu noch ein Bierchen auf einem Fanclubtreffen trinken. Dazu kommt er umsonst ins Stadion, ist mit Spielern, Trainer und Vereinsfunktionären „per Du“ und wird dafür am Monatsende auch noch bezahlt. Doch der erste Eindruck täuscht. Die vermeintlichen Vorteile verstellen den Blick auf die belastenden Seiten dieses Berufes. „Um diesen Job machen zu können, musst du Idealist sein und vereinsfarbenes Blut in den Adern haben“, so Dieter Zeiffer, Fanbeauftragter des SV Werder Bremen. Der 43-jährige, der sich gerne als „Blitzableiter des Vereins“ bezeichnet, sieht sich oft zwischen den Fronten. Unzufriedene Fans lassen bei ihm ebenso „Dampf ab“ wie sein Arbeitgeber. Der Verein braucht den Fanbeauftragten, um sein Image zu pflegen. Es ist peinlich und schlecht für das Geschäft, wenn die eigenen Fans farbige Spieler der gegnerischen Mannschaft mit Affenlauten begrüßen. In diesen und ähnlichen Fällen von Fehlverhalten ist der Fanbeauftragte gefordert, es ist seine Aufgabe, auf die Fangemeinde mäßigend einzuwirken. Unter den Fans macht man sich damit keine echten Freunde. „Alles, was sich um die Fans dreht, hat man an der Backe“, so Michael Brodhuhn, ehemaliger Fanbeauftragter von Hertha BSC Berlin. Er wollte irgendwann nicht mehr der Mann für die Kurve sein. „Sie rufen an, wenn sie zu einem Auswärtsspiel wollen, sie fragen nach dem Gesundheitszustand der Spieler, wollen wissen, wie die Aufstellung beim nächsten Spiel ist oder wie man einen Fan-Klub gründet. Sie fragen nach Eintrittskarten und sie kommen an, wenn sie nicht mehr ins Stadion dürfen, weil sie in den Graben zwischen Zuschauerrängen und Spielfeld uriniert, im Stadion den Hitlergruß gezeigt oder sich geprügelt haben. Sie erwarten vom Fanbeauftragten, dass er sie beim nächsten Spiel wieder hineinbringt.“ Manche glauben, sie könnten ihrer Forderung Nachdruck verleihen, indem sie Schläge androhen. „Drohungen sind normal“, sagt Brodhuhn. „Lass dich hier nicht mehr blicken oder du kriegst was auf die Fresse.“ Solche rüden Aussagen hat wohl jeder Fanbeauftragte schon zu hören bekommen. Fanbeauftragter sein, dass bedeutet auch die fast völlige Aufgabe der eigenen Privatsphäre im Umfeld des „Fanlebens“. Im Stadion bekommen sie kaum etwas vom Spielgeschehen mit oder sie müssen in andere Stadionbereiche ausweichen, um nicht ständig noch während des Spieles mit Fragen „genervt“ zu werden. Manche, wie der Fanbeauftragte des VFL 1900 Mönchengladbach Thomas Weinmann, suchen sich sogar eigens einen zweiten Verein im Ausland, um wie früher einfach nur Fan sein zu können. In diesem Beruf ist Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Fans gefragt. Schnell läuft man sonst Gefahr, die eigene Glaubwürdigkeit zu verlieren und nicht mehr als einer von ihnen akzeptiert zu werden. Dies ist besonders schwierig für Fanbeauftragte, die gewissermaßen aus der Fangemeinde „aufgestiegen“ sind. Akzeptanz in ihrer neuen Rolle müssen sie sich hart erarbeiten. „Als Fanbeauftragter darfst Du nicht als Selbstdarsteller herumlaufen. Du musst für die Fans fassbar sein“, so der Fanbeauftragte Dieter Zeiffer.

Trotz allem: Die meisten Fanbeauftragten empfinden ihre Aufgabe nicht als gewöhnlichen Beruf, sondern vielmehr als Berufung. Die Leidenschaft für ihren Verein und eine große Portion Idealismus sind die Antriebsfedern für ihr unermüdliches Engagement. Sie lieben ihren Beruf, auch wenn sie nur selten Dank für ihren Einsatz ernten. „Schließlich wird der ja dafür bezahlt“, heißt es dann. Für so manchen Fanbeauftragten entwickelt sich der scheinbare „Traumjob“ schnell zum täglichen Alptraum. „Wenn du sensibel bist, gehst du an dem Druck kaputt“, bestätigt Dieter Zeiffer.


Carsten Düringer und Henning Rießelmann